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Transformation hin zu einer kreislauffähigen Bau- und Immobilienwirtschaft - Über die Einführung von Madaster auf dem Schweizer Markt

Autor: Marloes Fischer, Geschäftsführerin Madaster Services Schweiz

Am 25. September 2020 hat das Schweizer Parlament das neue CO2-Gesetz verabschiedet. Es setzt Anreize und schafft neue Potentiale in Richtung klimaneutrales Bauen.  Im Dezember 2018 wurde der Entwurf noch abgelehnt. In diesen knapp 20 Monaten ist allerdings viel passiert in der Bau- und Immobilienbranche. 

In der Schweiz wird viel und nachhaltig gebaut. Eine dynamische Stadt- und Siedlungsentwicklung prägt das Land.  Die Schweizer Bau- und Immobilienwirtschaft hat als grösster Abfallproduzent der Schweiz einen bedeutenden Hebel für klimaneutrales Wirtschaften. Doch die Transformation hin zu einer kreislauffähigen Bau- und Immobilienbranche kann nur erfolgreich sein, wenn alle Player entlang der Wertschöpfungskette miteinander kooperieren und das gemeinsame Ziel mittragen.

Aus meiner Sicht lag im Jahr 2018 der «perfekte Sturm» vor, um das Online-Kataster Madaster aus den Niederlanden erfolgreich in die Schweiz zu bringen. Als Transformationsexpertin im Transport- und Versicherungswesen habe ich viele Veränderungsprozesse begleitet und gesehen, dass es mutiges und entschlossenen Handeln der Stakeholder braucht. Vor allem das Leadership muss mit gutem Beispiel vorangehen und den Wandel leben. Loslegen mit der Planung, umsetzen und lernen ist die Maxime.  Hilfsmittel wie digitale Lösungen unterstützen die Organisation und können den Wandel beschleunigen.

Ende 2018 wurde der Verein Madaster Schweiz mit den ersten Schweizer Kennedys gegründet. Die Plattform ermöglicht den zirkulären Einsatz von Produkten und Materialien in der gebauten Umgebung mit Materialpässen. Damit verfolgt Madaster ein gesamtgesellschaftliches Ziel: Materialien uneingeschränkt verfügbar zu machen. Weil wir der Meinung sind, dass eine wirtschaftliche Entwicklung nur funktioniert, wenn die Wirtschaft mitmacht, haben wir von Anfang an Wirtschaftspartner kontaktiert, die die Vision einer Kreislaufwirtschaft umsetzen wollen. Damit über den Lebenszyklus eines Gebäudes hinaus agiert werden kann, haben wir mit unseren Kennedys Anfang 2019 weitere Netzwerke entlang der Wertschöpfungskette sensibilisiert. Unsere Inspiration Circle-Anlässe stiessen auf grosses Interesse. Ende 2019 könnten wir elf Unternehmen als Kennedys gewinnen. 

Bei unseren Partnern sind das langfristige Denken und das zukunftsfähige Wirtschaften ein Thema. Alle haben aber eine unterschiedliche Perspektive, von Versicherung, zu Banking, Eigentum, Bau.

Bewirtschaftung und Rückbau. Gemeinsam wurden die Bedürfnisse im Markt identifiziert, um den Ansatz und die Struktur der Online-Bibliothek in der Schweiz zu definieren. Mit den ersten Datenpartnern CRB und buildup erfolgte die Vernetzung mit Partnern im Bereich Material, Produkt und Klassifizierung.

Die grösste Herausforderung auf dem Weg bis zum Go Live der Schweizer Madaster Plattform war der Aufbau einer soliden Vertrauensbasis. Denn mit Kreislaufwirtschaft begeben wir uns auf einen Weg der Transformation, dessen Ziel wir anfangs nur visionär beschreiben können. Als die anfängliche Begeisterung für das Thema dann in konkretes Tun, die Registrierung von Gebäude mündete, war der wichtigste Schritt gemacht. Gut, konnten wir dabei auf die tatkräftige Unterstützung des Madaster-Teams in den Niederlanden zählen und von den mehrjährigen Erfahrungen dort lernen. 

Das Umdenken in der Branche ist in vollem Gange, das Tun hat begonnen. Wir freuen uns auf weitere Unternehmer, die ihre Kunden bei der Realisierung von zirkulären Geschäftsmodellen und der Implementierung von Materialpässen in Bauprojekten unterstützen oder ihre (Software-)Lösung als Add-on zur Madaster-Plattform ihren bestehenden oder potenziellen Kunden anbieten.