Grund Madaster: Material Matters

Im Jahr 2016 veröffentlichten Thomas Rau und Sabine Oberhuber das Buch „Material Matters“. Das Buch beschreibt den Übergang zu einem neuen Wirtschaftsmodell, bei dem der Verbraucher nicht mehr der Eigentümer, sondern der Nutzer von Dingen ist. Die folgenden Texte stammen aus dem Buch "Material Matters" sowie aus Interviews mit Thomas Rau. Die Texte veranschaulichen den konzeptionellen Hintergrund von Madaster.

DIE LINEARE ÖKONOMIE

Seit dem letzten Jahrhundert haben wir ein Wirtschaftssystem, das auf kontinuierliches, exponentielles Wachstum ausgerichtet ist - unser Wohlstand hängt davon ab. Um dieses System aufrechtzuerhalten, müssen Produkte in zunehmenden Mengen verbraucht werden. Deshalb haben wir Produkte zu einem Problem gemacht: Ihre technische Lebensdauer wird künstlich verkürzt, sie altern durch so genannte Innovationen mit hoher Geschwindigkeit. Aufgrund ständig wechselnder Modetrends wird jede Saison etwas Neues gekauft. Wir können dieses System nicht durch kleine Verbesserungen reparieren, aber wir können dies tun, indem wir unsere Wirtschaft grundlegend anders organisieren.

VERANTWORTUNG FÜR MATERIAL

Erstens müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Eigentum Verantwortung mit sich bringt. Heutzutage sind wir gezwungen, alles Mögliche zu erwerben, was bedeutet, dass wir langfristig keine Verantwortung tragen können. Wenn ein Gebäude, in dem wir arbeiten, nicht mehr unseren Anforderungen entspricht, sind wir völlig überfordert, mit der Immobilie verantwortungsbewusst umzugehen. Wir können uns nicht um alle Rohstoffe und Materialien kümmern, die in einem Gebäude oder Produkt eingebaut sind - geschweige denn um deren Wiederverwendung. Tatsächlich wissen wir oft nicht einmal, um welche Rohstoffe und Materialien es sich handelt oder welche Eigenschaften sie haben.

KATASTER DER MATERIALiEN

Mittlerweile befinden wir uns in einer unhaltbaren Situation. Wir gewinnen Rohstoffe, machen sie zu Waren, und diese Waren werden verwendet, konsumiert und dann weggeworfen - Ende der Geschichte. Die gesamte Kette trägt zu diesem System bei: Designer, Bauherren, Produzenten und Investoren. Das bedeutet, dass die Folge des Verbrauchs innerhalb dieses Systems fast immer die gleiche ist: Abfall.

Was ist Abfall? Das ist Material, das in der Anonymität gelandet ist. Viel Abfall wird verbrannt, aber das ist eigentlich ein „Krematorium für Rohstoffe". Wie können wir das verhindern? Indem wir allem eine Identität geben und es dokumentieren, ihm einen Pass geben. Daher der Materialpass. Als nächstes müssen wir den Zugang zu den Materialpässen erleichtern, so als wäre es eine Bibliothek. So ist die Idee für ein Kataster (bzw. ein Grundbuch) entstanden, das Materialien in Immobilien erfasst: Madaster. Eine öffentliche Plattform für die gesamte Immobilienwelt, man könnte sie quasi als „Kadaster für Materialien“ bezeichnen. 

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